Beiträge der Kategorie 'Buch'

Rezension: Garry Disher – Gier

Garry Disher - GierWyatt ist ein Berufsverbrecher, der seinen Lebensunterhalt mit hochkarätigen Einbrüchen und Überfällen verdient. Hierbei geht er planvoll vor und scheut aber keine Anwendung von Gewalt und Mord.

Die Rechtsanwältin Anna Reid schlägt ihm ein Coup vor: Am Freitag wird sich in dem Safe ihres Partners rund 300.000 Dollar Schwarzgeld befinden. Da die Geschäfte nicht so gut laufen, nimmt er das Angebot a, stellt ein ein kleines Team zusammen und plant den Überfall.

Dieses Buch ist kein Thriller, wie ich sie sonst lese. Einen Roman, dessen Hauptakteur ein Schwerverbrecher ist und sich auch wie ein Schwerverbrecher verhält, ist sicherlich auch kein typischer Thriller. Wyatts Charakter ist wirklich kein liebenswerter Good-Boy.

Der Schreibstil ist, passend zur Geschichte, eher hölzern und die Spannungskurve ist durchschnittlich. Das Buch lebt von der Geschichte und vom Coup und dessen Vorbereitung.

Wobei der Coup nicht die Finesse hat, wie man sie aus diversen Hollywood-Filmen kennt. Hierdurch bleibt die Story aber authentisch.

Weil das Buch sehr speziell ist, fehlt es mir sehr schwer eine Empfehlung auszusprechen.

Garry Disher – Gier – 248 Seiten – ISBN: 978-3570068366 – Stern-Krimi-Edition

Rezension: Ruth Rendell – Urteil in Stein

Ruth Rendell - Urteil in Stein

Der Roman spielt zu Beginn der 1970er Jahre. Die Familie Coverdahle stellt eine neue Haushälterin ein. Diese stellt sich als tüchtige und genügsame Arbeitskraft aus, daher sind auch fast alle Familienmitglieder von ihr anfänglich sehr angetan.

Doch Eunice hat ein Geheimnis, ein Handicap, deren Entdeckung sie möglichst vermeiden möchte. Im Laufe der Zeit treten die Schwächen immer mehr in den Vordergrund. Schließlich eskaliert es und Eunice bringt die ganze Familie um.

Ruth Rendell eröffnet ihren Roman „Urteil in Stein“ mit dem Satz: „Eunice Parchmann tötete die Familie Coverdale, weil sie nicht lesen und schreiben konnte.”

In diesem Roman, der sicherlich in dieser Form kein Thriller, sondern eher ein klassischer Kriminalroman. Action und Verstrickungen sucht man vergebens. Auch nimmt sie mit dieser Eröffnung das vermeidliche Ende vorweg. Es geht also nicht um die Suche nach dem Mörder, nach dem Motiv oder nach der Art und Weise, sondern einfach nur darum, warum eine einfache Frau aufgrund einer psychischen Störung zu einer Mehrfachmörderin wird.

Dies erfolgt aber auf einer gelungenen Art, die Würze liegt in der feinen Formulierung und plastischen Darstellung der Protagonisten. Rendell schafft es, den Leser auch ohne große Spannungsmomente bei Laune zu halten.

Handwerklich einfach gut gemacht. Wer auf Krimis oder Romane der eher leisen Töne steht, der wird diese Buch sicherlich zusagen.

Ruth Rendell – Urteil in Stein – 252 Seiten – ISBN: 978-3-570-06821-2- Stern-Krimi-Edition

Rezension: John Sandford – Die Schule des Todes

John Sandford - Die Schule des TodesEin Serienkiller foltert Frauen und diese um, zwischen denen scheinbar keinen Zusammenhang besteht. Der Killer plant seine Taten bis ins Kleinste, hinterläst Zettel mit Hinweisen wie „Niemals jemand ermorden, den man kennt“ oder „ Niemals ein Tatmotiv haben“, aber andere Spuren hinterläst er nicht am Tatort.

Aufgrund seiner hohen Aufklärungsquote wird Lucas Davenport, ein eigenwilliger Ermittler aus dem Rauschgiftdezernat, zu den Ermittlungen hinzugezogen.
Als weitere Morde passieren und die Öffentlichkeit davon erfährt, nimmt der Druck auf Davenport und seine Kollegen weiter zu. Und dann fängt der Killer, mit Davenport an zu spielen.

Dieser Thriller kann man schon fast als klassisch bezeichnen. Er ist logisch aufgebaut, die Akteure werden mit der nötigen Tiefe beschrieben und am Rande es gibt ein paar kleiner private Probleme. Der Schreibstil war auch in Ordnung, leicht verständlich und nicht zu platt.

Wirkliche neue Ideen hat Sandfort in seinem ersten Roman nicht präsentiert, aber die Story ist halbwegs unterhaltsam, spannend und unterm Strich ein durchschnittlicher Thriller.

Von den drei Büchern, die ich bisher von Sandford gelesen habe, war dies um Längen das Beste. Der Unterschied zwischen „Die Schule des Todes“ und „Todesspiel“ sind enorm, schon der Schreibstil unterscheidet sich erheblich.

Neuere Bücher mit dem Ermittler Lucas Davenport sollen allerdings besser sein als dieser Band.

John Standford – Die Schule des Todes – 445 Seiten – Stern-Krimi-Edition

Rezension: John Sandford – Todespiel / Totenklage (Doppelband)

John Sandford - Todesspiel und TotenklageIn John Sandfords Todesspiel (bzw. Totenspiel – siehe letzter Absatz) geht es um die Ermordung des Hackers Bobby. Dieser wird heimtückisch zu Hause erschlagen. Der Mörder entwendet nach dem Mord lediglich das Notebook.

Ein befreundeter Hacker, Kidd, findet Bobby und macht sich mit zwei Freunden auf die Suche nach dem Mörder und dem Notebook. Den er vermutet, dass neben geheime Daten auch Informationen über ihn auf dem Notebook gespeichert sind, die dazu führen könnten, dass er enttarnt wird.

Und offensichtlich schafft es der Mörder, einige Daten zu entschlüsseln. Den der Presse werden Daten über hochrangige Politiker zugespielt, die von vermutlich von dem Notebook stammen.

Vorweg: Totenspiel war das erste Buch, das ich von John Sandford gelesen habe.

Ein Thriller im Hackermilieu – der Klapptexte das hörte sich vielversprechend an. Doch leider erfüllte er meine Erwartungen nicht mal ansatzweise.

Der Erzählstil ist überwiegend in der Ich-Form aus Sicht des Hackers Kidd geschrieben. Leider ist der Anteil der Gespräche von Kidd, die wörtlich wiedergegeben werden, recht hoch. Insgesamt wirkt die ganze Geschichte auch unnötig hektisch und erinnerte mich stark an die Groschenhefte über Jerry Cotton.

Fesselnde Spannung machte sich hierdurch auch nur zum Ende hin bemerkbar. Und obwohl das Buch nur rund 350 Seiten hat, wies es Längen auf.

Sandford hat das vermutlich an einem verregneten Wochenende, inspiriert durch einen Artikel zum Thema Hacken in der Wochenendzeitung, mal eben runtergeschrieben. Das ist das schlechteste Buch, das ich in den letzten Jahren gelesen habe. Also kurz und Gut: Von diesem Roman kann ich nur abraten.

Der zweiten Roman dieses Doppelbandes heißt: Totenklage. Der republikanische Exsenator Bowe verschwindet plötzlich. Seine Frau beschuldigt eine Organisation, die sich eigentlich um die Sicherheit in den Nachbarschaften kümmern soll und von dem Gouverneur Goodmann gegründet wurde. Madison Bowe behauptet sogar, dass es sich bei der Organisation eigentlich um einen Schlägertrupp handelt.

Da in einigen Monaten wieder Präsidentschaftswählen sind, beauftragt das Weiße Haus Politikkenner Jack Winter, Bowe zu suchen. Kurz darauf findet man die Leiche von Bowe, verbrannt und ohne Kopf. Winter ermittelt in verschiedene Richtungen weiter und stößt auf verschiedene Spuren in private, aber auch in politische Kreise.

Bei diesem Roman handelt es sich um einen typischen Politthriller. Gegenüber Totenspiel ist dieser Roman auch wesentlicher runder. Der Roman wird überwiegend aus Sicht von Winter wiedergegeben, aber nicht nur. Durchaus gibt es immer wieder Absätze und Kapitel, in denen andere Akteure im Mittelpunkt stehen. Hierdurch wird die Geschichte wesentlich unterhaltsamer und spannender. Auch verzichtete Sandford auf den verworrenen Stil der ersten Geschichte.

Totenklage ist ein durchschnittlicher Politthriller und aber sicherlich kein Höhepunkt in der Unterhaltungsliteratur. Er weiß aber zu unterhalten und rechtfertigt wenigstens halbwegs die 8 Euro, die der Doppelband gekostet hat.

Leider hat der Verlag beim Titel extrem geschlampt: Der erste Roman heißt auf der Titelseite Totenspiel und im Innenteil Todesspiel. Todesspiel ist aber der richtige Name. Auf der Verlagsseite wurde der Fehler mittlerweile korrigiert.

Unter Strich würde ich aufgrund des mangelhaften ersten Romans von diesem Doppelband trotz des günstigen Preises abraten.

John Sandford – Todesspiel/Totenklage – rund 700 Seiten – ISBN 978-3-442-13460-1 – 8 Euro

Renzension: Julia Spencer-Fleming – Die bleiche Hand des Schicksals

Julia Spencer-Fleming - Die bleiche Hand des SchicksalsIn der kleinen Gemeinde der Pastorin (und ehemalige Hubschrauberpilotin) Clare Fergussion und des Sheriff Russ van Alstyne verschwindet der Chefarzt der Klinik, Dr. Rouse für Bedürftige. Kurz vorher hatte er einen Streit mit einer aufgebrachten Mutter, die behauptet, das ihr Kind wegen einer Schutzimpfung nun eine Behinderung hat.

Fergussion erfährt, das vor ca. 70 Jahren schon mal ein Mann der Gemeinde verschwunden ist und nie wieder aufgetaucht ist. Die Frau dieses verschwundenen Mannes hat die Klinik durch eine Stiftung gegründet. Und noch heute erhält die Klink regelmäßig Zuwendungen von der noch lebenden Tochter.

“Die bleiche Hand des Schicksals” ist der erste Roman der Autorin Spencer-Fleming, den ich bisher gelesen habe und war mehr ein Zufallskauf. Im Urlaub hatte ich die beiden mitgenommen Romane aufgrund ihrer Spannung recht schnell ausgelesen und brauchte dringend Nachschub. Die Wahl fiel auf dieses Buches einfach auf Grund des Klapptextes und des günstigen Preises.

Es ist kein Thriller, eher ein Krimi. Und vermutlich ist die Autorin Fan von Agatha Christie. Nicht das sie deren Qualitäten erreicht, aber die Geschichte rund um die Pastorin Fergussion hätte auch von Christie sein können.

Irgendwie ist der Roman nett, nett zu lesen, aber ohne wirklich Spannung oder große Überraschungsmomente und Höhepunkte. Aber vielleicht war die Messlatte nach Stieg Larsson – “Verdammnis” & “Vergebung” auch einfach zu hoch.

Nur warum muss die Pastorin früher unbedingt Hubschrauberpilotin gewesen sein? Total unglaubwürdig und dazu für die Geschichte vollkommen uninteressant. Aber evt. spielte das in einem der älteren Romane eine Rolle. Und was soll diese angedeutete und flache Liebesgeschichte mit dem Sheriff. Da hätte ich mehr Spannungen erwartet.

Die Akteure werden geradezu liebevoll beschrieben und ihr Schreibstil ist auch ok.

Wer auf einen guten Thriller mit reichlich Spannung, Aktion  und Verwicklungen steht, sollte das Buch beim Bücherhändler besser liegen lassen. Wer ansonsten eher  harmlosere Romane oder Krimis liest, kann bedenkenlos zugreifen. Um den Schlaf wird er keinen bringen, aber er ist, wie gesagt, ganz nett zu lesen.

Julia Spencer-Fleming – Die bleiche Hand des Schicksals – ISBN 978-3-426-50459-8 – 537 Seiten – 6,20 €

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